Werkstattgeschichte von Matthias Wagner

Jahrgang 1952 hatte Matthias Wagner ursprünglich begonnen Mathematik zu studieren. Schon immer hatte er sich jedoch für handwerkliche Tätigkeiten interessiert. So reifte die Idee, die Gitarre die er begonnen hatte zu spielen auch zu bauen. Die Ausbildungsmöglichkeiten die sich ihm hier boten waren jedoch sehr gering. So Gibt es nicht sehr viele Werkstätten, welche Zupfinstrumente noch in reiner Handarbeit fertigen. Für auf Lautenbau spezialisierte Betriebe gibt es in Deutschland gerade vielleicht einmal 10 - 15 Ateliers. So hatte Matthias Wagner als

Einstieg in seine gewählte Berufung zuallererst die Möglichkeit in der Schweiz bei einem Gitarrenbauer ein mehrmonatiges Praktikum zu absolvieren. Diese Zeit stellte die Basis für seine weitere Lernzeit dar. Eine Lehr- und Ausbildungsstelle war Ende der 70iger Jahre in ganz Deutschland nicht zu bekommen. So blieb ihm nur die Wahl nach der Zeit in Zürich, autodidaktisch weiter zu arbeiten. Der Beschäftigung mit den Instrumenten der Lautenfamilie gedieh dies nur zum Vorteil. Der Lautenbau ist nirgendwo ein Lehrberuf, es gibt keine


Fachbücher, lediglich einige wenige Fachartikel, welche lediglich enge Spezialbereiche abdecken. Hier muss man auf Zeichnungen von Kollegen oder Restaurationsabteilungen grosser Museen wie dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg oder den Kunsthistorischen Sammlungen Wien zurückgreifen. Mehrfach besuchte er einen Kurs des amerikanischen Lautenbauers Robert Lundberg. Auch muss man selbst alte Instrumente unter die Lupe nehmen, vermessen und danach zeichnen um von diesen dann Kopien anfertigen zu können. Diesen Weg verfolgte Matthias Wagner bei der Erforschung der

historischen Mandolinen, die Vorfahren der heutigen weit verbreiteten neapolitanischen Mandoline. Zahlreiche Originalinstrumente wurden von ihm in Museen vermessen, um diese dann als Nachschöpfung wieder neu entstehen zu lassen. Hierzu wurden nicht nur die Masse genommen, sondern auch Röntgenbilder gefertigt, um das Innenleben der alten Instrumente zu erkunden und um diese hierfür nicht öffnen zu müssen. Ein Instrument welches aus einer Privatsammlung in Paris stammt, wurde auf diese Weise untersucht und die Kopie hängt jetzt in seiner Werkstatt.


Eine weitere Möglichkeit alte originale Instrumente kennen zu lernen, ist alte Lauten und Gitarren zu restaurieren. Dies ist eine häufige Arbeit von Matthias Wagner. Der Höhepunkt solcher Restaurationsarbeiten war vor einigen Jahren für einen Kunden eine Laute aus dem Jahre 1727 zu restaurieren und wieder zurück zu bauen. Sie war in den 20-iger Jahren des 20. Jhds. in eine Wandervogellaute - diese Instrumente werden landläufig auch Bastardlauten genannt - umgebaut worden. So konnte aus den alten Teilen wieder ein spielbares Instrument entstehen, eine 11-chörige Barocklaute, die in Konzerten und CD Produktionen eingesetzt wird. Der Restaurationsbericht zu diesem Projekt steht auf seiner Webseite zum Download zur Verfügung, einschliesslich zahlreicher Bilder.

Selbst wenn die originalen Instrumente quasi die Vorbilder seiner Instrumente sind, die Neubauten von Matthias Wagner sind keine reinen Kopien. Es gilt das Bauprinzip der alten Instrument zu verstehen und dann aus diesem Verständnis heraus ein neues Instrument im Sinne der Tradition der Lauteninstrumente zu schaffen. Auf dieser Basis sind mittlerweile auch zahlreiche komplett eigene Instrumente entstanden welche keine direkten Vorbilder mehr haben. Diese seine Instrumente finden seitens seiner Kunden - Hochschuldozenten, Studenten und interessierte Laienmusiker - ein gutes Interesse und die Anerkennung als künstlerische Objekte welche die Voraussetzungen für die musikalischen Interpretationen geben. Zahlreiche CD's wurden mittlerweile mit seinen Instrumenten von seinen Kunden eingespielt.


In den vergangenen Jahren beschäftigte sich Matthias Wagner auch immer mehr mit einem anderen Vorfahr der Laute: der arabischen Laute, der Ud ( Oud, Aoud ). Dieses Instrument, welches auch heute noch im arabischen und orientalischen Kulturkreis weit verbreitet ist, ist vor allem auch der Namensgeber für die Laute. Hiessen diese Instrumente früher "Al ud" - Aus Holz wurde dann im Laufe der Ausbreitung und Wanderung nach Mitteleuropa einerseits über den Balkan und andererseits durch die Mauren über Spanien aus diesem Namen die LAUTE. Die Verwandtschaft zwischen

Ud und Laute bezüglich der Bauweise ist enorm. Die Bauprinzipien sind nahezu identisch, was auch durch alte Schriften aus Persien belegt wird. In diesen Schriften werden Anforderungen an den Bau der Aoud beschrieben, welche für den historischen Lautenbau essentiell sind. Zu bemerken ist hierbei noch, dass diese persischen Schriften älter und vor allem weitaus ausführlicher sind wie die einzige Schrift zur Laute, ein Traktat aus dem Jahre 1450 von Arnault of Zwolle ( Holland ) welches gerade mal eine Seite zur Laute enthält!

Matthias Wagner beabsichtigt die verschiedenen Modelle, Typen und Stilrichtungen der Aoud weiter unter die Lupe zu nehmen und zu erforschen. seine Webseite spiegelt immer den aktuellen Stand seiner Arbeit dar.